Kurz gesagt:
- Eine vollständige Elektrifizierung einer Wohnung umfasst den Umbau aller Leitungen, Sicherungen und Anschlüsse nach aktuellen Sicherheitsstandards. Eine sorgfältige Planung, inklusive E-Check, Normkonformität und frühzeitiger Smart-Home-Integration, ist essenziell für eine zukunftssichere Elektroinstallation. Eigenleistungen bei mechanischen Vorarbeiten können Kosten senken, während Fachbetriebe alle elektrischen Anschlüsse übernehmen sollten.
Eine vollständige Elektrifizierung der Wohnung bedeutet, sämtliche Elektroinstallationen von Grund auf modern, sicher und zukunftsfähig zu gestalten. Der Fachbegriff dafür lautet Elektrosanierung oder Vollernierung der Elektroanlage. Wer seine komplette Wohnung elektrifizieren möchte, plant nicht nur neue Steckdosen, sondern legt die gesamte Leitungsführung, alle Stromkreise, die Unterverteilung und die Sicherheitstechnik neu aus. Das Ergebnis: ein Zuhause, das heutigen Sicherheitsstandards entspricht, Smart-Home-Systeme aufnehmen kann und für Wallboxen oder Photovoltaik vorbereitet ist.
Wie plant man die komplette Wohnung zu elektrifizieren?
Eine fundierte Planung entscheidet darüber, ob die Elektroinstallation für die nächsten 30 Jahre trägt oder nach fünf Jahren schon wieder nachgerüstet werden muss. Der erste Schritt ist immer eine Bestandsaufnahme. Ein professioneller E-Check ermittelt den genauen Zustand der vorhandenen Anlage und zeigt, welche Teile erhalten bleiben können und welche ersetzt werden müssen. Ohne E-Check riskieren Sie, entweder zu wenig zu sanieren oder unnötig viel zu investieren.
Normen und Standards als Planungsgrundlage
Die Planung orientiert sich an zwei zentralen Regelwerken: DIN 18015 und RAL-RG 678. Die DIN 18015 und RAL-RG 678 empfehlen mindestens drei Steckdosen pro Wandseite und unterscheiden zwischen 1-Stern-, 2-Stern- und 3-Stern-Installationen. Eine 3-Sterne-Installation ist die Voraussetzung für vollständige Smart-Home-Integration. Diese Standards erhöhen den Wohnwert und erleichtern spätere Nachrüstungen erheblich.
Schritt-für-Schritt zur fertigen Elektroplanung
- E-Check durchführen: Bestandsanlage prüfen lassen, Schwachstellen dokumentieren.
- Raumplanung erstellen: Für jeden Raum Steckdosen, Schalter, Beleuchtungspunkte und Datenleitungen festlegen.
- Stromkreise aufteilen: Küche, Bad, Herd und Klimaanlage erhalten eigene Stromkreise.
- Smart-Home-Anforderungen klären: Bussysteme wie KNX oder Funklösungen wie Homematic IP frühzeitig einplanen.
- Leerrohrkonzept entwickeln: Leerrohrverlegung erhöht die Materialkosten um etwa 18 %, ermöglicht aber spätere Erweiterungen und verlängert die Lebensdauer der Verkabelung auf über 50 Jahre.
- Fachbetrieb beauftragen: Alle elektrischen Anschlüsse und die Inbetriebnahme erfordern einen zugelassenen Elektrofachbetrieb.
Profi-Tipp: Planen Sie vor dem Schlitzen immer mit einem Leitungssuchgerät wie dem Bosch D-TECT 150. Das Absuchen mit Leitungssuchgeräten verhindert teure Schäden an vorhandenen Leitungen oder Stahlbewehrungen.
| Planungsschritt | Eigenleistung möglich? | Fachbetrieb erforderlich? |
|---|---|---|
| E-Check | Nein | Ja |
| Raumplanung und Skizze | Ja | Empfohlen |
| Schlitze stemmen | Ja | Nein |
| Leerrohre verlegen | Ja | Nein |
| Kabel einziehen | Ja (ohne Anschluss) | Für Anschluss |
| Anschluss und Inbetriebnahme | Nein | Ja, Pflicht |
Was gehört zur vollständigen Elektroinstallation einer Wohnung?
Eine vollständige Elektroinstallation im Einfamilienhaus oder in der Eigentumswohnung umfasst weit mehr als neue Steckdosen. Jede Komponente erfüllt eine spezifische Funktion und muss aufeinander abgestimmt sein.
Kernkomponenten der Elektroinstallation
- Unterverteilung und Zählerschrank: Das Herzstück der Anlage verteilt alle Stromkreise und beherbergt Sicherungsautomaten sowie FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter). Moderne Unterverteilungen haben ausreichend Platz für spätere Erweiterungen wie eine Wallbox oder Photovoltaik-Einspeisepunkt.
- FI-Schutzschalter: Jeder Stromkreis in Küche und Bad muss über einen eigenen FI-Schutzschalter abgesichert sein. Dieser trennt den Stromkreis in Millisekunden bei einem Fehler und schützt vor tödlichen Stromschlägen.
- Steckdosen und Schalter: Die Anzahl richtet sich nach DIN 18015. Für Wohnräume gilt: großzügig planen, denn nachträgliche Elektroinstallationen kosten deutlich mehr als die gleichzeitige Vollernierung.
- Beleuchtungsanschlüsse: Deckenauslässe, Wandleuchten und Außenbeleuchtung werden separat geplant und auf eigene Stromkreise gelegt.
- Datenleitungen: CAT-7-Kabel für Netzwerk und Koaxialkabel für TV gehören zur modernen Elektroinstallation.
- Leerrohrverlegung: Leerrohre aus Kunststoff schützen Kabel und erlauben späteres Austauschen ohne Stemmarbeiten.
Smart-Home-Integration von Anfang an
Wer seine Wohnung smart machen möchte, muss das Bussystem oder die Funktechnologie bereits in der Planungsphase festlegen. Systeme wie KNX erfordern eigene Steuerleitungen, während Funklösungen wie Homematic IP oder Philips Hue nachträglich integrierbar sind. Eine 3-Sterne-Installation nach RAL-RG 678 bildet die technische Grundlage für vollständige Heimautomation. Moderne Geräteabzweigdosen ermöglichen dabei, Leitungen direkt in größeren Schalterdosen zu verklemmen, was Tapetenschäden vermeidet und spätere Fehlersuche erleichtert.

Profi-Tipp: Verlegen Sie alle Kabel mit mindestens 2,5 mm² Querschnitt. Das erhöht die Kapazität für zukünftige Verbraucher und verlängert die Lebensdauer der gesamten Anlage.
Was dürfen Privatpersonen bei der Elektroinstallation selbst machen?
Die Grenze zwischen erlaubter Eigenleistung und verbotener Arbeit ist in Deutschland klar geregelt. Privatpersonen dürfen mechanische Vorarbeiten durchführen, alle elektrischen Anschlüsse müssen jedoch von zugelassenen Elektrofachbetrieben ausgeführt werden. Diese Regelung basiert auf der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und schützt sowohl den Eigentümer als auch Dritte.
Erlaubte Eigenleistungen
- Schlitze in Wände stemmen und wieder verschließen
- Leerrohre verlegen und befestigen
- Unterputzdosen setzen
- Kabel in bereits verlegte Leerrohre einziehen (ohne Anschluss)
- Kabelkanäle montieren
Was ausschließlich Fachleuten vorbehalten bleibt
- Anschluss von Leitungen an Klemmen, Schalter oder Steckdosen
- Einbau und Verdrahtung der Unterverteilung
- Inbetriebnahme und Prüfung der Anlage
- Anschluss an den Zählerschrank
Wichtig: Bei Brandschäden durch fehlerhafte Eigeninstallation kann die Versicherung ihre Leistungen verweigern. Die Haftung liegt beim Eigentümer, auch wenn der Fehler nicht bewusst begangen wurde. Eine professionelle Prüfung und Abnahme durch einen Meisterbetrieb ist deshalb nicht optional, sondern zwingend erforderlich.
Eigenleistungen senken die Gesamtkosten spürbar, wenn sie mit dem beauftragten Fachbetrieb abgestimmt werden. Sprechen Sie vor Beginn der Arbeiten genau ab, welche Vorarbeiten Sie selbst übernehmen dürfen. So vermeiden Sie Doppelarbeit und Haftungsrisiken.
Was kostet die vollständige Elektrifizierung einer Wohnung?
Die Kosten hängen vom Zustand der Bestandsanlage, der Wohnfläche und dem gewünschten Ausstattungsstandard ab. Eine komplette Elektrosanierung im Altbau kostet im Schnitt 80–150 Euro pro Quadratmeter, bei gehobener Smart-Home-Ausstattung bis zu 300 Euro. Das bedeutet: Bei einer 130 m² Wohnung rechnen Sie mit Gesamtkosten zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Davon entfallen etwa 60 % auf Arbeitskosten und 40 % auf Material.

| Ausstattungsstandard | Kosten pro m² | Gesamtkosten (130 m²) |
|---|---|---|
| Basisinstallation Altbau | 80–100 € | 10.400–13.000 € |
| Komfortinstallation | 100–150 € | 13.000–19.500 € |
| Smart-Home-Vollausstattung | 200–300 € | 26.000–39.000 € |
| Neubau (EFH, Rohbau) | 50–80 € | 6.500–10.400 € |
Wo lassen sich Kosten einsparen?
Eigenleistungen bei den mechanischen Vorarbeiten können die Gesamtkosten um bis zu 30 % senken. Wer Schlitze selbst stemmt, Leerrohre verlegt und Dosen setzt, reduziert die Arbeitsstunden des Elektrikers erheblich. Wichtig ist dabei, die Arbeiten sauber und nach Plan auszuführen, damit der Fachbetrieb nahtlos anschließen kann.
Profi-Tipp: Lassen Sie sich vom Elektrofachbetrieb einen detaillierten Leistungsverzeichnis-Entwurf erstellen, bevor Sie Eigenleistungen planen. So sehen Sie genau, welche Positionen Sie selbst übernehmen können und wie viel Sie dadurch sparen.
Versteckte Kostenfallen
Asbesthaltige Altputze, marode Deckenkonstruktionen oder fehlende Erdung erhöhen den Aufwand erheblich. Auch eine nachträgliche Wallbox-Installation oder ein Photovoltaik-Anschluss, der nicht von Anfang an eingeplant wurde, treibt die Kosten in die Höhe. Planen Sie diese Anschlüsse von Beginn an mit ein, auch wenn die Geräte erst später installiert werden.
Welche Fehler passieren bei der Elektrifizierung am häufigsten?
Typische Planungsfehler kosten später deutlich mehr als die sorgfältige Erstplanung. Die häufigsten Fehler lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen:
- Zu wenige Steckdosen: Die Unterschätzung der Steckdosenanzahl führt zu aufwendigem Nachrüsten, das teurer als die Erstinstallation ist. Planen Sie lieber zwei Steckdosen mehr als eine zu wenig.
- Keine Reserve für Erweiterungen: Wer heute keine Leerrohre für eine spätere Wallbox oder Photovoltaik-Anlage verlegt, zahlt beim Nachrüsten doppelt.
- Falsche Kabelquerschnitte: Zu dünne Leitungen überhitzen bei hoher Last. Für Steckdosenstromkreise gilt mindestens 2,5 mm², für Herd und Backofen 4 mm².
- Keine Trennung von Stromkreisen: Küche, Bad und Kinderzimmer sollten auf getrennten Stromkreisen liegen. Ein Kurzschluss legt sonst die halbe Wohnung lahm.
- Fehlende Normenkonformität: Installationen, die nicht der DIN VDE 0100 entsprechen, werden bei der Abnahme beanstandet und müssen auf Kosten des Eigentümers nachgebessert werden.
- Abnahme vergessen: Ohne offizielle Prüfung und Abnahme durch einen Meisterbetrieb besteht kein vollständiger Versicherungsschutz.
Die Vermeidung dieser Fehler beginnt mit einer professionellen Planung und endet mit einer zertifizierten Abnahme. Beides ist keine Frage des Komforts, sondern der Sicherheit und des Versicherungsschutzes.
Wichtige Erkenntnisse
Eine vollständige Elektrifizierung gelingt nur, wenn Planung nach DIN 18015, fachgerechte Ausführung und zertifizierte Abnahme zusammenwirken.
| Punkt | Details |
|---|---|
| Planung nach Norm | DIN 18015 und RAL-RG 678 definieren Mindeststandards für Steckdosen, Stromkreise und Smart-Home-Vorbereitung. |
| E-Check als Startpunkt | Ein professioneller E-Check vor der Sanierung verhindert Fehlplanung und unnötige Mehrkosten. |
| Eigenleistungen mit Grenzen | Mechanische Vorarbeiten dürfen Privatpersonen selbst übernehmen; Anschluss und Inbetriebnahme sind Fachleuten vorbehalten. |
| Kosten realistisch einplanen | Im Altbau kostet die Vollernierung 80–150 Euro pro Quadratmeter; Eigenleistungen senken die Kosten um bis zu 30 %. |
| Leerrohre als Investition | Leerrohre erhöhen die Materialkosten um 18 %, sichern aber Erweiterbarkeit für über 50 Jahre. |
Meine Einschätzung nach Jahren auf der Baustelle
Ich erlebe es regelmäßig: Eigentümer kommen zu uns, nachdem sie die Elektrik eines Altbaus selbst „aufgefrischt" haben. Meistens fehlen FI-Schutzschalter, die Kabelquerschnitte sind zu dünn, und für eine Wallbox ist kein Platz in der Unterverteilung. Das Nachrüsten kostet dann mehr als eine saubere Planung von Anfang an gekostet hätte.
Was mich an vielen Projekten überrascht: Die meisten Eigentümer unterschätzen nicht den Aufwand, sondern die Zukunft. Eine Wohnung, die heute ohne Leerrohre und ohne Reserve in der Unterverteilung fertiggestellt wird, ist in fünf Jahren schon wieder veraltet. Photovoltaik, Wallbox, Smart Home, Wärmepumpe: All das braucht Platz und Kapazität, die nachträglich teuer erkauft werden müssen.
Mein klarer Rat: Investieren Sie in die Planung. Ein gutes Leistungsverzeichnis, erstellt gemeinsam mit einem erfahrenen Elektrofachbetrieb, ist die beste Versicherung gegen spätere Überraschungen. Eigenleistungen bei den Vorarbeiten sind sinnvoll und legal. Aber beim Anschluss und bei der Abnahme gibt es keine Kompromisse. Die Vorteile moderner Elektrotechnik zeigen sich erst dann vollständig, wenn die Anlage normgerecht und zukunftssicher ausgeführt ist.
— Elektro
Elektrotechnik-ernst: Ihr Partner für die Wohnungselektrifizierung in Augsburg
Elektrotechnik-ernst begleitet Privatpersonen und Eigentümer in Augsburg und Umgebung von der ersten Bestandsaufnahme bis zur zertifizierten Abnahme. Das Team übernimmt den professionellen E-Check als Startpunkt jeder Sanierung, plant die Unterverteilung, verlegt Leerrohre und integriert Smart-Home-Systeme nach aktuellem Stand der Technik. Für Eigentümer, die bereits an eine Wallbox oder Solaranlage denken, bietet Elektrotechnik-ernst Wallbox-Installation und Photovoltaik-Lösungen aus einer Hand.

Sprechen Sie Elektrotechnik-ernst direkt an: Das Team berät Sie kostenlos zu Ihrem Projekt, erstellt ein individuelles Leistungsverzeichnis und koordiniert Eigenleistungen und Facharbeiten so, dass Sie Zeit und Geld sparen.
FAQ
Was bedeutet es, eine Wohnung komplett zu elektrifizieren?
Eine komplette Elektrifizierung ersetzt alle Leitungen, Stromkreise, Sicherungen und Anschlüsse durch moderne, normgerechte Installationen. Das Ergebnis ist eine Anlage nach DIN VDE 0100, die Smart Home, Wallbox und Photovoltaik aufnehmen kann.
Welche Normen gelten für die Elektroinstallation im Einfamilienhaus?
Die wichtigsten Normen sind DIN 18015, RAL-RG 678 und DIN VDE 0100. Sie legen Mindestanforderungen für Steckdosenanzahl, Stromkreistrennung und Sicherheitskomponenten fest.
Was darf ich bei der Elektroinstallation selbst machen?
Privatpersonen dürfen Schlitze stemmen, Leerrohre verlegen und Dosen setzen. Alle elektrischen Anschlüsse, die Verdrahtung der Unterverteilung und die Inbetriebnahme sind ausschließlich zugelassenen Elektrofachbetrieben vorbehalten.
Was kostet die komplette Elektrosanierung einer 130 m² Wohnung?
Die Kosten liegen im Altbau bei 10.000–20.000 Euro, abhängig vom Ausstattungsstandard. Bei Smart-Home-Vollausstattung können die Kosten auf bis zu 39.000 Euro steigen.
Warum sind Leerrohre bei der Elektroinstallation sinnvoll?
Leerrohre erhöhen die Materialkosten um etwa 18 %, ermöglichen aber das spätere Austauschen oder Ergänzen von Kabeln ohne Stemmarbeiten. Die Lebensdauer der Verkabelung steigt auf über 50 Jahre.
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